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Fiat: Kein Licht, dafür Bären

Published in radical-mag.com

Fahren in absoluter Trunkenheit

Ein paar Wochen ist es her, dass Stellantis-CEO Antonio Filosa die neue Konzern-Strategie «FaSTLAne 2030» verkündet hatte – und noch immer muss man sich die Augen reiben. Filosa, ein Erbsenzähler vor dem Herrn, hat dabei so viel warme Luft herausgeblasen, dass seine Rede wohl zur Erderwärmung beitragen wird: «Der Kunde steht stets im Mittelpunkt unseres Handelns», aha, wer denn sonst?, «der Plan steht für langfristiges profitables Wachstum», ok, für was denn sonst?, dann auch noch: «Jede Marke von Stellantis wird eine klare Rolle bei der Erfüllung unserer FaSTLAne 2030-Ziele spielen». Im Mittelpunkt stehen dabei Jeep, Ram, Peugeot und auch noch Fiat, alle anderen Marken (und davon gibt es ja noch so einige bei Stellantis) dürfen sich mit Nischenrollen begnügen (oder werden still und heimlich verschwinden, DS Automobiles, Lancia…). 60 Milliarden Euro will der Konzern in den nächsten vier Jahren investieren (nachdem man erst zu Beginn des Jahres schon einmal 22 Milliarden irgendwohin abgeschrieben hatte, aus welchem Grund auch immer), die Auslastung der Werke erhöhen (auf Kosten von Werkschliessungen), die Entwicklungszeit drastisch verkürzen (mit chinesischer Hilfe), das übliche blabla halt.

Und nun: der Fiat Grizzly (siehe oben). Schon der Name – warum muss ein italienisches Automobil eine solche Bezeichnung tragen? Gut, man hat sich in Turin mit dem neuen Grande Panda schon einen anderen Bären aufgebunden, so ein Grizzly ist aber nochmals ein anderer Brocken – und so sieht das neue Dings auch aus. Klobig, komplett charmebefreit, halt noch so ein SUV – und dann als Fastback auch noch sinnlos. Auf die technischen Daten muss man noch warten, aber es ist sowieso copy/paste zum Citroën C3 Aircross und dem Opel Frontera und dem Alfa XY (da soll es noch ein Brüderchen vom Grizzly geben – wie wäre es mit «formichiere» als Bezeichnung?) und etwa sieben Peugeot, also ganz weit entfernt von spannend oder modern oder auch nur zeitgemäss. Dieser Fiat muss jetzt einfach raus, damit Fiat auch noch irgendetwas anzubieten hat, das Modellprogramm ist mit Topolino, 500, 600, Pandina und Grande Panda ja jetzt nicht so wild, die Verkaufszahlen seit Jahren schon eine Katastrophe.

Das grosse Problem ist: Es fehlt – auch mir – die Phantasie, dass es je wieder besser werden könnte. Fiat, das waren einst vor allem wunderbare, clevere, hübsche Kleinwagen. Bloss lassen die sich heute anscheinend nicht mehr mit der gewünschten Marge herstellen/verkaufen. 17 Jahre lang, bis 2024, lebten die Italiener fast ausschliesslich vom 500er (Typ 312), der jetzt noch einmal aufgefrischte Nachfolger (Typ F1A) steht dagegen wie Blei; als reiner Stromer war er eigentlich ok, aber halt viel zu teuer. Fiat-Chef Olivier François, unbedingt mitverantwortlich für die anhaltende Misere in Turin, rudert dann wieder einmal mit den Armen, wenn er das erklären soll – und verweist auf die zwei neuen Grizzly: «Sie vervollständigen unsere stimmige Modellpalette und stärken unsere Position im Bereich Familienmobilität». Naja, dann noch lieber einen Tipo, aber der wurde ja gerade offiziell beerdigt.

Fiat hat, wie alle anderen italienischen Marken im Stellantis-Verbund, eigentlich keine Überlebenschance. Und doch wird Fiat weiterhin existieren dürfen, zumindest so lange, wie die Agnelli-Erben im Konzern noch die grosse Klappe führen. Das ist aber das einzige Lichtlein in einem Tunnel, der kein Ende hat; vielleicht noch die italienische Staatsräson, keine Regierung würde den Untergang der Marke Fiat überstehen, da ist also immer mit Unterstützung zu rechnen. Doch wie lange haben die Shareholder noch Geduld? Es brodelt, so hört man, so ziemlich überall, auch unter den Mitarbeitern, ganz heftig bei Alfa Romeo, noch mehr bei Maserati, auch an der Börse; die oberste Führungsriege, aus Steueroptimierungsgründen erst gerade in die Schweiz verzogen, scheint ihren Saftladen nicht wirklich im Griff zu haben. Und die derzeit nicht ersichtliche Zukunft von Fiat (sowie das Festhalten daran) könnte der Stein sein, der den ganz grossen, wohl auch dringend notwendigen Umbruch bei Stellantis ins Rollen bringt.

Der Beitrag Fiat: Kein Licht, dafür Bären erschien zuerst auf radicalmag.