Ferrari 860 Monza
Rätsel
Man könnte ja nun meinen, dass die Geschichte der älteren Ferrari bis in jedes Detail, die hinterste Schraube bekannt ist. Es geht ja auch um viel, manchmal sehr viel Geld – und Geld macht noch so vieles möglich, auch Recherche. Man könnte ja nun auch das Gefühl haben, dass Ferrari selber doch eigentlich alles wissen müsste, die Klassik-Abteilung beschäftigt schliesslich Heerscharen, zieht auch ganz viel Kohle, stellt da gegen einen absurden Stundenlohn Zertifikate aus, macht aus Rost Gold. Und doch gibt es weiterhin Rätsel, lose Enden, verschwommene Ecken, dunkle Keller – der Ferrari 860 Monza gehört dazu.
Selbstverständlich hat er etwas mit dem schon beschriebenen 857 S zu tun, der Ferrari nicht die gewünschten Erfolge einbrachte. Lampredi musste im Herbst 1956 zurück ins dunkle Kämmerchen – und überarbeitete da den grössten Vierzylinder in der Ferrari-Geschichte (3491,93 ccm – und mit Bohrung x Hub von 102 x 105 mm der einzige Langhuber?). Die Leistung soll von 280 auf 310 PS gestiegen sein, er soll deshalb auch «Super Monza» genannt worden sein – und er hatte auch Erfolg, schaffte mit Fangio/Castelllotti und Musso/Schell einen Doppelsieg bei den 12 Stunden von Sebring 1956 (als einziger Vierzylinder), kam mit Collins (2.) und Musso (3.) bei der Mille Miglia aufs Podest, holte sich mit Fangio/Castellotti beim 1000-Kilometer-Rennen auf dem Nürburgring noch einmal einen zweiten Platz.
Und was soll daran jetzt rätselhaft sein? Nun, es scheint sehr unklar zu sein, wie viele Ferrari 860 Monza es denn nun wirklich gab. Meine liebste Quelle meint: zwei Exemplare, #0602M (2. Rang Sebring, 3. Rang Mille Miglia, 2. Rang Nürburgring, dann an den Marquis Alfonso de Portago verkauft, später bei Pierre Bardinon und DK Engineering) und #0604M (1. Rang Sebring, irgendwann auch bei Bardinon). Andere Quellen schreiben von drei Stück, wieder andere gar von sechs Exemplaren. Die Verwirrung könnte von den 857 S stammen (#0570M, #0578M, #0584M, #0588M) oder dann auch von den 290MM (#0606, #0616M, #0626, #0628), die das gleiche Chassis hatten wie der 860er. Man weiss es halt nicht so genau, also, zumindest wir nicht. Und gute Bilder fehlen uns auch, leider.
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