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Yamaha MT-10

Published in radical-mag.com

Skurriler Wirbelwind

Von wegen Retro-Boom, das neue Naked Bike von Yamaha namens MT-10 hält nichts von schlichten Formen im dezent nostalgischen Farbkleid. Die gefahrene «Night Fluo»-Version setzt voll auf die Karte futuristisch, kantig markant mit schrillen neongelben Felgen zu grimmig dunklem Militärgrau. Damit ist Yamaha MT-10 definitiv ein Hingucker, wobei sie während meinen Testfahrten zumindest in meiner Wahrnehmung mehr missfallendes Kopfschütteln als anerkennende Nicken erntet. Doch überrascht sind beide Lager und über Geschmack lässt sich bekanntlich so schön streiten.

Damit wäre schon mal eine Grundvoraussetzung für die erfolgreiche Lancierung eines neues Bikes erfüllt: Charakter. Doch die neue MT-10 hat mehr als nur ein provokatives Äusseres zu bieten. Des futuristischen Monsters Kern ist der topmoderne Antriebsstrang der R1. Doch wurde die Leistungskurve des 200 PS-Rennmotors zwecks grösserer Alltagstauglichkeit auf 160 PS zurückgenommen mit mehr Power in der Mitte versehen. So wird das maximale Drehmoment bereits bei 9000 und nicht erst bei 11’500 Umdrehungen freigesetzt. Ebenfalls tiefgreifend verändert wurden Rahmen und Fahrwerk. So gibt es in der MT-10 einen Heckrahmen aus Stahl. Das führt unter anderem zu einem extrem kurzen Radstand von nur 1400 Millimetern. Das verspricht eine grosse Portion Agilität, was das Bike im Test auch vollumfänglich bestätigt – aber erstaunlicherweise nicht nur im Stadtverkehr und in engen Kurven. Im Gegenteil: Sie hält auch bei hohem Tempo auf der Autobahn und in weitgezogenen, schnellen Kurven mit Grandezza die Linie. Zusammen mit dem recht guten Windschutz von der zerklüfteten Front macht so auch der serienmässig eingebaute Tempomat durchaus Sinn.

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Doch so richtig Spass macht das Naked Bike vor allem auf kurvigen Passstrassen. Extrem wendig und mit atemberaubender Antrittsstärke geht es den Berg hoch. Dabei ist Sitzposition auch für grossgewachsene Fahrer jenseits von 180 Zentimeter immer noch angenehm entspannt. Und auch beim mittlerweile immer komplizierter gewordenen Einsatz der Elektronik hat sich Yamaha auf ein gutes, überschaubares Mass an Regulierbarkeit beschränkt. Für die Kraftentfaltung des Motors stehen drei Modi zur Verfügung, wobei Modus B in seiner ruppig brachialen Art etwas gar ungestüm und bockig ist. Auch für die Traktion gibt es drei Stufen plus vollends Aus, was insbesondere in Kombination mit Modus B keine gute Idee ist. Ohne Fehl und Tadel ist das ebenfalls vom der R1 übernommene ABS-Bremssystem, wenn auch etwas für den Strassenbetrieb angepasst.

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Fazit: Yamaha setzt mit der eigenwilligen MT-10 seiner erfolgreich lanciert MT-Reihe nach der MT-07 und MT-09 gekonnt die wirblig wendige Power-Krone auf.

Yamaha MT-10
Motor: Flüssigkeitsgekühlter Vierzylinder
Hubraum: 998 ccm
Leistung: 160 PS / 11‘500 U/min
Drehmoment: 111 Nm / 9000 U/min
Verbrauch: 5,6 l/100 km/h
Sitzhöhe: 825 mm
Gewicht vollgetankt: 210 kg
Preis: Fr. 14‘680.-

Wir bedanken uns bei Daniel Huber für diesen Text. Und die Photos. Mehr Huber mit Motorrädern gibt es in unserem Archiv.

Der Beitrag Yamaha MT-10 erschien zuerst auf radicalmag.