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Supertest 2013 (4), Supertest 2013 (4)-1356

Published in radical-mag.com

Maserati Quattroporte V8

Noch nicht erstellt
Es begab sich auf einer mitteleuropäischen Autobahn. Wir rollten so einher, die Gasse war breit, übersichtlich, leer, der Tacho zeigte deutlich über 300 km/h, das GPS die «echten» 295, und wir freuten wie kleine Kinder, endlich wieder einmal mehr als jene 250 fahren zu dürfen, auf die uns die deutschen Limos immer einbremsen. Doch da meinte der Maserati plötzlich, dass ihm das alles zu viel sei, er wolle nicht mehr, vermeldete etwas von «Katalysator überhitzt», schaltete auf ein Notprogramm und gab uns noch 80. Wir schauten uns so an, keine Ahnung, was jetzt, wie weiter, den wir hatten noch ein anständig Stück Weges vor uns hin zum Supertest. Vielleicht abkühlen lassen, Reset, Kaffee trinken, Wurstsemmel futtern? Es folgte kurz darauf eine Raststätte, wir nahmen die Ausfahrt, doch dann war endgültig Ende Feuer. Er blieb einfach stehen, 200 Meter vor der Tankstelle. Keinen Wank tat er mehr, der Quattroporte. Was macht der erfahrene Motor-Journalist in solchen Situationen? Er tritt zuerst einmal gegen sämtliche vier Reifen, er flucht, er hadert mit seinem Schicksal und macht dumme Sprüche über Bunga-Bunga. Dann konsultiert er die Benzin-Uhr und muss erkennen: aha. Der Stillstand hatte aus dem Leerstand des Tanks resultiert, wir waren wohl derart flott einhergebraust, dass die Tankuhr gar nicht mehr mitkam mit dem Verbrauch, denn wenige Kilometer vor dem Notprogramm hatte noch gar nix geleuchtet, weder gelb noch rot noch sonstwie. Wir schreiten also in die Tankstelle, kaufen uns einen billigen Kanister, füllen ihn mit fünf Literchen, schreiten zurück zum Maserati, wollen den Saft einfüllen. Dann wird es aber schwierig, denn der Quattroporte hat so einen modernen Verschluss, eigentlich gar keinen, bloss so eine Klappe, die automatisch schliesst. Wir würgen den Plastikschlauch rein, doch es passiert gar nix, kein Tropfen rinnt in den mächtigen Schlund. Und als wir das Teil wieder rausziehen wollen, reisst es ab. Jetzt sind wir massiv in der Bredouille.Maserati Quattroporte V8

Als der Maserati nicht mehr wollte.

Maserati Quattroporte V8

Als der Maserati wieder wollte.

Kaputter Kanister, blockierter Tankzugang, ein toter Maserati, weit und breit keine Hilfe in Sicht - und Wurstsemmeln gab es auch keine bei dieser Tanke. Es nahte aber Hilfe, und mit Hängen und Würgen brachten wir ein paar Schlücklein Benzin rein, konnten zur Tanke fahren, dort mehr Saft reinwürgen, irgendwie an diesem vermaledeiten Plastikteile vorbei - und tatsächlich, nach einer halben Stunde, wieder weiter rollen. Die 300 versuchten wir nicht mehr zu knacken, mit dem Alter wird man ja weise, und so brachte der Quattroporte uns dann doch noch nach Wien. Zu einem, drei Bier, die wir uns aber sowas von verdient hatten. Am nächsten Tag brachten wir den Maserati zum Händler, der machte, irgendwas, wir konnten wieder entspannt tanken und auch sonst alles, was man mit einem Maserati halt so machen will, kein Gezicke mehr auf den knapp 3000 Kilometern, die der Italiener in fünf Tagen zurücklegen musste.Maserati Quattroporte V8

Als der Maserati nicht mehr wollte.

Maserati Quattroporte V8

Als der Maserati wieder wollte.

Maserati Quattroporte V8
Maserati Quattroporte V8
Maserati Quattroporte V8
Wir haben schon einmal, erst kürzlich über den neuen Quattroporte V8 geschrieben, einen länglich ausgefallenen Kurztest, den gibt es: hier.

Nach dieser intensiven Woche wollen wir eigentlich alles bestätigen, was wir schon auf der ersten Ausfahrt erfahren haben. Noch immer empfinden wir die Lenkung als unsäglich, obwohl in diesem Exemplar ganz anders war als bei unserem ersten Testwagen. Doch Gefühl für die Strasse: niente, nada, nix. Und trotzdem wollen wir gerade die erstaunliche Agilität des 5,23 Meter langen Italieners loben, er fühlt sich an wie: deutlich kleiner. Nehmen wir jenes Kurvengeschlängel, das wir im Supertest-Bericht zum Mercedes S500 (siehe: hier) schon angesprochen hatten, dort, wo uns der Benz mitten in der Kurve verhungert ist (und der Bentley (Beschreibung: hier), übrigens, derart über die Vorderräder schob, dass wir Angst hatten, jetzt brechen die Gummis samt Felgen dann weg). Mit dem Masi, das ESP auf der zweitschärfsten Stufe (komplett aus geht auch noch, ist aber nicht empfehlenswert, 530 Pferde können sich grob vergaloppieren), kommt unsereins angeflogen (der Wendlinger macht das dann anders, auf der Rennstrecke, aber der kann das ja auch richtig gut), zusammenstauchen die Fuhre, so sauber wie möglich ein- und dann durchlenken, dann massiv drauf auf den Pinsel, das Ding kommt hinten (der Fotograf braucht ja auch gute Bildchen), bleibt aber problemlos beherrschbar, und hopp, in die andere Richtung, wieder etwas quer - und immer noch problemlos. So macht es Freud, der Quattroporte hat keine Miene verzogen und auch kaum einen Wank gemacht, und der Fahrer fühlt sich so ein bisschen wie ein Wolfe'scher «master of the universe». Und das ist doch irgendwie noch: schön. Befriedigend. Man(n) kann noch etwas tun mit dem Wagen, er lässt sich fahren, es ist nicht die Elektronik, die den Piloten zum Passagier macht.

Wendlinger mag ihn aber nicht so sehr, den Maserati. Er sagt: «Die Vorderachse ist zu schwerfällig. Du lenkst ein - und da passiert wenig. Das dauert zu lang. Per Gasgeben kommt er dann doch manchmal hinten.»
Maserati Quattroporte V8

Als der Maserati nicht mehr wollte.

Er sagt: «Man dreht das Lenkrad, dann bewegt sich das Auto in die Federn, dann lenkt es erst ein.» Und er sagt: «Die Sitzschale ist schlecht - man hält sich am Lenkrad fest.» Man muss ja nicht immer gleicher Meinung sein wie der Wendlinger. Aber auch unsere österreichischen Kollegen von der «auto revue» konnten dem Quattroporte anscheinend nicht viel abgewinnen, wobei - wir müssen ja auch noch etwas für das Fazit sparen.

Wenn Du fast eine Woche quasi im Wagen wohnst, ihn quer durch Europa prügelst und dann auch wieder zurück, dann lernst Du die Macken kennen des Wagens. Das Problem beim Maserati Quattroporte: wir haben eigentlich keine gefunden. Doch: das Einlegen des Rückwärtsgangs ist eine Lotterie, manchmal gehts, manchmal nicht, meist flucht man dann. Die Bedienung ist ansonsten einfach und logisch. Ja, das Navi könnte besser sein, vor allem: schneller, und gibt diverse Gimmicks, die haben wir nie auch nur angeschaut geschweige denn gebraucht. Aber die Sitze sind fein, wunderbar auf der Langstrecke, und der Kofferraum ist riesig und der Motor: toll. Noch auf den letzten Kilometern haben wir die ZF-Automatik von Hand geschaltet, weil: da macht er so herrlichen Lärm, Zwischengas-Fanfaren, da wird all jenen, die so ein bisserl Blut noch im Benzin haben, warm uns Herz. Verbrauch, ach, der Verbrauch. Wenn man ihn ein bisschen tritt, so wie in der eingangs beschriebenen Szene, dann sind es über 20 Liter, die sich der 3,8-Liter-V8-BiTurbo genehmigt. Fährt man flott, immer so mit zwei Zehen im Gefängnis schon, dann geht es auch mit 15. Die 11,7 Liter, die das Werk angibt, die schafft man wohl nur auf dem Parkplatz.

Was uns dann erstaunt hat: der Maserati, ab 171'936 Franken teuer, kostet schon ein ganze Stück mehr Geld als die S-Klasse, wenn man jetzt den V8 mit dem S500 vergleicht (vom Bentley Flying Spur wollen wir hier nicht reden, der ist um Welten jenseits). Einverstanden, beim Quattroporte ist mehr inbegriffen schon in der Basis, da nähern sich die beiden dann an. Aber im Italiener gibt es halt ganz viele Spielsachen nicht, die man im Mercedes noch zusätzlich bestellen kann. Aber wir haben es dem Benz ja schon attestiert, er ist quasi ein Schnäppchen. Der Quattroporte eher nicht. Und vom Wiederverkaufswert wollen wir hier jetzt gar nichts erwähnen.

Ja, wir mögen den Maserati. Weil er halt Charme hat. Anders ist. Weit entfernt von perfekt, doch das schafft ja nicht einmal der Mercedes.

Mehr Maserati gibt es im Archiv. Mehr Supertest gibt es: hier.


Original: radical

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