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Nische statt Masse, Fahrbericht Seat Leon ST-1346

Published in radical-mag.com

Fahrbericht Seat Leon ST

Und noch ein neues Modell aus dem Modularen Querbaukasten (MQB) der Volkswagen-Gruppe: Seat Leon ST. Man darf ihn als Nachfolger des Alfa 159 sehen...

Das spanische Brüderchen des feinen VW Golf 7, der Seat Leon, ist jetzt auch als Kombi erhältlich, genannt ST. Wir wissen schon gar nicht mehr, was wir dazu noch schreiben sollen, können, länglichst haben wir die einzelnen Derivate schon abgehandelt, beschrieben, gefahren. Alles gute Autos, der Golf 7 selber, der Audi A3, der Skoda Octavia, der Seat Leon, da gibt es nicht viel zu mäkeln. Und am Leon mögen wir, dass er ein bisschen hübscher, flotter sein darf, optisch zumindest, als das Normal-Programm, doch die intensivste Kaufempfehlung würden wir trotzdem für den Skoda aussprechen, ganz einfach, weil da Preis und Leistung und Raumangebot im besten Verhältnis zueinander stehen.

Es ist zwar nichtganz einfach, die einzelnen Produkte der Volkswagen-Gruppe untereinander zu vergleichen, weil das eine Modell hat das, jenes auch, ein anderes wieder nicht. Aber gehen wir mal vom Basismodell zum Basispreis aus. Den neuen Leon ST gibt es ab 20'750 Franken, dies mit dem 1,2-Liter mit 85 PS, den in der Schweiz eh niemand kauft. Den günstigsten Ocatvia Combi, ebenfalls mit 1,2 Liter Hubraum, aber 105 Pferden, gibt es schon ab 20'520 Franken. Der Tscheche hat ein Kofferraumvolumen von mindestens 590 Liter, maximal sind es 1740 Liter; beim Seat sind es 587 bzw. 1470 Liter. So rein nach Zahlen gewinnt also der Skoda problemlos. Und bei einem Kombi, sagt man doch, kommt es ja in erster Linie auf diese Zahlen an.

In Sachen Antrieb schenken sich die beiden auch nichts, denn sie bedienen sich ja fröhlich aus den grossen Regalen in Wolfsburg.

Wir fuhren den FR (Formula Racing...), also den 180-Pferder mit DSG und
überhaupt allem, was man für das standesgemässe Vorankommen so braucht,
inklusive der wirklich empfehlenswerten Progressivlenkung. Skoda hat sowas auch (und hat mit dem RS sogar noch mehr...), da kann der Spanier also auch nicht punkten. Da darf man sich dann schon die Frage stellen, was das Hauptquartier denn mit Seat plant, wenn man den potenziellen Kunden keine wirklich guten Gründe liefert, sich einen Leon ST anzuschaffen, irgendein Alleinstellungsmerkmal wäre doch noch sinnreich.

Seat wird dann wohl sagen: die Optik. Und ja, tatsächlich, der Leon ist als Kombi ein hübscher Kerl, vielleicht sogar noch adretter als der Hatchback. Es gibt den Leon ja jetzt erstmals mit Rucksack, und das ist den Spaniern gut gelungen, langgestreckt wirkt er, schön flach, irgendwo zwischen aggressiv und elegant. Aber ob das reicht, um die weiterhin kränkelnde spanische Tochter endlich in die schwarzen Zahlen zu bringen? So richtig ruhig scheint es in Barcelona in der Plüschetage ja nicht zu sein, der von Mazda abgeworbene CEO James Muir musste ja nach kurzer Zeit schon wieder gehen, jetzt sitzt auch bei Seat ein Deutscher am Ruder. Aber auch ihm scheint eine Idee zu fehlen, wie Seat positioniert werden könnte, bisher ist auf jeden Fall noch nichts Kreatives in Sicht.

Dafür kann der Leon ST nichts. Es ist nett, dass es ihn gibt - nicht mehr, aber auch nicht weniger. Er wird keine Chance haben gegen den Golf Variant und erst recht keine gegen den Octavia Combi. Das hingegen könnte bei einer kleinen Minderheit, die halt kein Auto will, das an jeder Strassenecke steht, eine Chance sein. Denn eigentlich ist er ja ein gutes Ding, so gut wie alles andere aus dem Modularen Querbaukasten. Aber dazu mögen wir jetzt nichts mehr schreiben, das haben wir schon ein bisschen zu oft getan.

Mehr Seat und MQB gibt es im Archiv.


Seat Leon ST
Seat Leon ST

Original: radical

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