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Getretener Quark, Facelift Audi A8-1321

Published in radical-mag.com

Facelift Audi A8

Dass Audi den A8 schon nach drei Jahren auffrischen muss, überrascht nicht. Eher überraschend ist, wie wenig geschehen ist.

Als Audi 1994 mit dem ersten A8 auf den Markt kam, da war das eine spannende Alternative zu den etablierten Stücken, der S-Klasse, dem 7er. Auch deshalb, weil er Allradantrieb hatte, eine Alu-Karosse. Über die Jahre konnte sich der A8 gut positionieren, er war so ein bisschen anders, der Underdog, auch optisch spannender als seine deutschen Konkurrenten. Doch dann kam 2010 der intern Typ D4/4H genannte Wagen, der zwar auf der Art Basel in Miami vorgestellt wurde, aber noch langweiliger gestaltet war als ein Schuhkarton von Bata. Wir wissen nicht genau, wie das mit den Verkaufszahlen ist, doch wir sehen in heimischen Gefilden nie einen - die Chinesen hingegen...

Jetzt erhält der A8 also den Feinschliff. Für ein Oberklasse-Modell, das ja meist mehr als sieben Jahre im Programm ausharren muss, ist das ein früher Zeitpunkt. Doch es ist ja auch so wahnsinnig viel geschehen in den vergangenen Jahren, vor allem in Sachen Assi-Systemen, da musste Audi halt schon aufrüsten. Ausserdem hat der Zulieferer ja jetzt das Matrix-Licht im Programm, da hat Opel viel Entwicklungsarbeit geleistet, davon darf Ingolstadt jetzt profitieren. Geld spielt ja keine Rolex bei den A8-Kunden, und die Lichtverhältnisse auf den chinesischen Strassen sollen ja wirklich schlecht sein.
Was ist sonst noch neu? Das Übliche, ein paar Kilo weniger, 1835 Kilo sind es jetzt noch mit dem 3-Liter-Benziner, damit ist der A8 der leichteste Wagen im Wettbewerb mit anderen Allradlern (der XJ von Jaguar ist aber weiterhin nicht ganz so schwer...). Bisschen mehr Leistung gibt es auch bei einzelnen Motorisierungen, und weniger Verbrauch, Spitzenreiter ist der 3.0 TDI clean diesel, der nur 5,9 Literchen schluckt, zumindest gemäss Norm. Auch den Hybrid wird es weiterhin geben. Und den W12, den aber nur in der Langversion. Und den S8, mit 520 PS das Spitzen-Modell, das manchmal 8, manchmal auch nur vier Zylinder hat. 20-Zöller sind auf Wunsch erhältlich.

Innen: «neu sind etwa die Holzarten Pappelmaser Braunsilber und Eschenmaser Braungold naturell sowie das Leder Unikat, das besonders naturnah, weich und atmungsaktiv ist», ist in der Presse-Mitteilung zu lesen. Head-up-Display - auch du, Brutus? Doch wenn man da so liest, was es sonst noch an Assi-Dingern gibt, da darf man sich die Frage stellen: hat man bei Audi die Aufpreisliste der neuen S-Klasse nicht genau studiert? Die Stuttgarter haben da schon einiges mehr zu bieten; das könnte die chinesischen Audi-Kunden erschrecken. Und wie ganz genau geht naturnahes Leder? Ist das aussen am Auto angebracht?

Nein, der grosse Brüller ist der aufgepeppte A8 nicht, ganz im Gegenteil. Wie wusste schon Goether: Getretener Quark wird breit - nicht stark.

(Und die Bilder sind mal wieder - wer ganz genau will diese Photoshop-Scheisse, die Chinesen vielleicht?)

Mehr Audi gibt es im Archiv.


Original: radical

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