Test Land Rover Defender 2013 1877
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Das Beste am «neuen» Defender, also dem mit dem Ford-Transit-Motor: das manuelle 6-Gang-Getriebe. Weil man ja so einen echten Land Rover nicht bloss durch die Wüste oder sonst über nicht asphaltierte Abgründe treibt, sondern auch mal von B nach D muss, auf der Autobahn. Und da rollt man dann friedlich bei 120 km/h, versteht sein eigenes Wort, kann sogar Radio hören oder eine CD, was beim Td5 eher schwierig ist. Und bei noch älteren Modellen so gut wie unmöglich - auch deshalb, weil sie die 120 km/h gar nicht schafften. Das «neue» Getriebe ist zwar hakelig ohne Ende, aber hat man den Sechsten dann gefunden, dann ist Ruhe im Gebälk.
Er fährt ganz gut mit seine 2,2-Liter-Vierzylinder-Diesel, der 122 PS leistet. Im Gegensatz zu allen anderen Geländewagen ist der Defender ja auch kein absolutes Schwergewicht, er wiegt deutlich weniger als 2 Tonnen.
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Noch bis 2015 gibt es den Defender. Das wars dann, nach 67 Jahren. Wir werden uns wohl bis dahin noch so einige Sonderspezialextra-Versionen gefallen lassen müssen. Aktuell ist es gerade das Jubiläumsmodell zum 65. Geburtstag, als LXV bezeichnet. LXV? 65, in römischen Zahlen. Und was ist daran speziell? Zum Beispiel ein Schlüsselanhänger in Metallic mit LXV-Prägung. Und Teppichmatten mit Kontrastumrandung. Und halt sonst noch ein bisserl Zeugs, innen, aussen. Der Preis für den 110er von 59'665 Franken erscheint uns dann aber massiv, denn in der Basis ist so ein grosser Defender als Station Wagon ja schon ab 43'800 Franken zu haben. Und nackt, ohne nix, das wissen Defender-Kenner, ist er ja am besten.
Ja, ich habe so ein bisschen Ahnung vom Defender. Nicht bloss, weil ich selber einen habe, klassisch: Td5, also nicht mit dem komischen Motor aus dem Ford Transit. Sondern diese Dinger seit quasi Jahrzehnten in den verschiedensten Versionen und Varianten schon an so einigen Orten dieser Welt bewegt haben. Yup, ein Freak, ein Fan. Auch einer derer, für den früher alles besser war - und der jetzt schon Trauer trägt im Hinblick auf 2015. Aber halt auch Freude hat, wieder einmal in einem neuen Modell durch die Gegend zu gurken, auch wenn mir das im LXV alles ein bisschen zu viel ist, zu geschmäcklerisch, übertrieben. Aber man muss Land Rover auch verstehen, der Defender ist halt Kult, Legende, the real thing - und in diesem Glanz sonnt sich manch einer, der vor lauter Schalthebeln gleich Panik kriegt, aber sein Prada-Schühlein trotzdem gern auf einem feinen Teppich ausruhen will. Leider, leider werden gar viele 90er und 110er von Schickimickis und anderen Warmluftbläsern nur noch in Innenstädten bewegt, aus dem Parkhaus vor die Disco, aber andererseits ist das auch erfreulich, denn das bedeutet, dass es zukünftig noch viele gut erhaltene Occassionen geben wird. Nachschub für die Zeit nach 2015.
Sportwagen-mässige Fahrleistungen kann man nicht erwarten, sind ja auch nicht gefragt, er fährt brav geradeaus, er hat mit seiner schwergängigen Lenkung nicht so gern Kurven, auch neigt er sich da ein bisschen heftig, was an der Höhe von über 2 Metern liegt (sanfter Nachteil beim Parken in Parkhäusern, aufgepasst), dafür ist er schön schmal (nur 1,79 Meter) und noch erträglich kurz (4,6 Meter). Dafür hat er das quasi unendliche Kofferraumvolumen von 2300 Litern. Was wir aber nicht so ganz verstehen: mit dem moderneren Motor verbraucht der LXV mehr als mit dem antiquierten Fünfzylinder, im jüngsten Test waren es 10 Liter und ein paar Zerquetschte.
Den Innenraum haben sie modernisiert beim letzten Facelift vor ein paar Jahren, und so schlecht ist das ja nicht, man begreift nun, wie die Lüftung funktioniert, für was die einzelnen Schalter sind. Im LXV ist das alles auch noch edel, Leder und so, aber der wahre Defender-Fan fragt sich halt, weshalb es die effektivste Lüftung der Welt nicht mehr gibt, diese Hebel, die grosse Schlitze unter der Windschutzscheibe öffnen, durch die die frische Luft direkt in den Wagen strömen kann. Einverstanden, das ist noch Ur-Zeit des Automobils, aber wir haben uns auch schon oft gefragt, weshalb es eigentlich diese hübschen, ausstellbaren Dreiecksfenster vorne und die ausstellbaren Seiten-Heckscheiben-Dingers nicht mehr gibt. Man sitzt auch im LXV schräg hinter dem Lenkrad, und Platz für die Beine hat der Pilot fast keine. Dafür ist die Winschutzscheibe sehr nah und die Sitzposition höher als in einem Lieferwagen; auch Range-Rover-Insassen schaut man schön hinunter.
Böseböse im Gelände waren wir mit LXV nicht - irgendwie ist er dafür zu schick, man möchte ihn gar nicht dreckig machen. Es reicht ja manchmal auch zu wissen, dass man könnte - und mit dem Defender kann man. Grob, richtig grob (wir haben das kürzlich wieder gesehen, bei der Vorstellung des neuen Range Rover in Marokko: dort, wo etwas hätte in die Hosen gehen können, standen nicht andere Range Rover, sondern Defender - sogar Land Rover traut seinem Urgestein mehr zu als der modernsten Technik). So ein bisschen im Schnee rumtollen, das wars, und auch das kann er halt gut, der Engländer; da hilft ihm nicht bloss sein Allradantrieb, sondern auch die grossartige Bodenfreiheit. Es gibt weiterhin nichts Besseres abseits der Strassen, einzig das G-Modell von Mercedes kann da noch so einigermassen mithalten. All die X5, Q7, Touaregs und Caymänner: vergesst den Mist. Die Zauberworte heissen Leiterrahmen und Verschränkung der Achsen, dagegen kann auch die modernste Elektronik einpacken. Einverstanden, genau deswegen geht es dem Defender auch ans Lebendige, er kann halt keine einzige der aktuellen Sicherheitsvorschriften mehr erfüllen, null Airbags, zum Beispiel.
Auch als LXV bleibt der Defender ein Defender, auch wenn nicht ganz klar ist, für was es all dies Schickimickizeugs braucht an diesem Geländewagen. Doch er lässt sich seinen wunderbaren Charakter deshalb nicht verderben, der Engländer, da könnten sie auch Kleber anpappen oder GT-Streifen. Die Verarbeitung ist auch bei diesem veredelten Sondermodell so, wie sie bei Defender immer ist: so ein bisschen Zufall. Er knarzt und quietscht, das muss so sein. Und wahrscheinlich ist er auch nicht ganz wasserdicht. So what?
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Original: radical