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La dolce Vita: Mit dem 124 Spider kehrt bei Fiat das süße Leben zurück

Published in motosound.de

Es hat zwar ein bisschen gedauert. Doch jetzt versetzt Fiat die Deutschen mal wieder in Urlaubslaune – und zwar ganz ohne Kofferpacken. Denn in diesen Tagen bringen die Italiener zu Preisen ab 23 990 Euro endlich den lang ersehnten 124 Spider an den Start und lassen uns alle schon vom ersten Kilometer an von Ferien in Rimini oder der Toskana träumen. Dass der offene Zweisitzer, den Fiat als Hommage an den originalen 124 Sport Spider von vor genau 50 Jahren sieht, gar eine eigene Entwicklung ist, sondern von Mazda stammt, tut der guten Stimmung keinen Abbruch Denn eine viel bessere Vorlage für einen kleinen, handlichen und bezahlbaren Roadster als den MX-5 kann es schließlich kaum geben.

Genau wie das Original aus der Feder von Altmeister Pininfarina und natürlich sein japanischer Zwilling ist der neue 124er ein minimalistischer Roadster ohne Schnickschnack, der sich allein dem Fahren verpflichtet fühlt. Er ist leidenschaftlich gezeichnet, lässt mit markanten Powerdomes auf der Motorhaube die Muskeln spielen und zeigt mit serienmäßigen LED-Scheinwerfern einen entschlossenen Blick. Knapp geschnitten und in der Basisversion kaum mehr als 1 000 Kilo schwer, bietet er zwar zum Beispiel eine moderne Navigation und ein schlüsselloses Zugangssystem. Und Warmduscher können sogar eine Sitzheizung bestellen. Aber er schenkt sich alle überflüssigen Sperenzchen und verzichtet deshalb auf einen Nackenföhn genauso wie auf ein elektrisches Verdeck. Ein Griff an den Spriegel über dem Spiegel, ein Armschwung nach hinten, schon geht über dem Spider die Sonne auf und im Gesicht des Fahrers zeigt sich ein Strahlen. So schnell schafft den Striptease kein anderes Auto, erst recht nicht eines mit elektrischem Verdeck. Und dass die Gegenrichtung dafür umso mühsamer ist, kann man getrost ausblenden. Denn wer will einen Spider schon geschlossen fahren?

Zwar haben die Italiener nicht nur das Dolce Vita bemüht, sondern auch das Dolce Far Niente und sich bei der Entwicklung dem Süßen Nichtstun hingegeben. Doch ganz so untätig, wie es auf den ersten Blick scheinen mag, sind die Ingenieure in Turin gar nicht gewesen. Schließlich sonnt sich der 124er nicht nur in eigenständiges einem eigenständigen Blech-Bikini, der kein sichtbares Gleichteil mit dem MX-5 hat. Sondern er ist auch ein bisschen weicher abgestimmt, schaltet sich nicht ganz so knackig, lenkt nicht gar so zackig und ist mit zusätzlichen Isolationsschichten in Verdeck und Frontscheibe ein bisschen besser gegen Luft und Lärm gedämmt.

Auch wenn sich deshalb alles ein bisschen geschmeidiger und gelassener anfühlt als im Mazda MX-5, fährt der Fiat aber genauso verführerisch. Aufs Wesentliche reduziert und nirgendwo einen Zentimeter zu viel, passt er wie angegossen und lässt sich als Leichtgewicht mit Heckantrieb so intuitiv durch die Kurven zirkeln, als könne das Auto Gedanken lesen. Denn ehe man eine Kehre auch nur angeschaut hat, dreht sich der Bug fast wie von selber ein. Und kaum ist der Scheitelpunkt erreicht, zieht der Fiat schon wieder gerade und nimmt längst wieder Fahrt auf.

Daran ändert auch der neue Motor nichts, der wahrscheinlich den größten Unterschied zum MX-5 markiert. Denn wo die Japaner auf einen 1,5 Liter großen Sauger setzen, schicken die Italiener für den 124er einen 1,4 Liter großen Turbo-Benziner ins Werk nach Hiroshima. Zwar gönnt der sich beim Kickdown eine winzige Gedenksekunde, kompensiert das aber mit etwas mehr Leistung als der Mazda. Denn wo dem MX-5 131 PS reichen müssen, kommt der 124 auf 140 PS und wirft 240 Nm in die Waagschale. Das reicht für einen Sprintwert von 7,5 Sekunden und ein Spitzentempo von 217 km/h. Die Fahrer vermeintlich ernsthafter Sportwagen mögen darüber zwar lachen, Schließlich ist der Spider mit solchen Eckwerten näher an einem Polo als an einem Porsche. Doch lehrt einen dieses Auto mit jedem Kilometer und vor allem mit jeder Kurve, das Fahrspaß keine Frage der Leistung ist und Genuss nichts mit Geschwindigkeit zu tun hat. Außerdem hat Fiat für alle Unverbesserlichen ja auch noch einen Abarth Spider in petto, der im Ende September den Sommer mit 170 PS und Sportfahrwerk verlängern will.

Ein sonniges Wesen, gute Laune serienmäßig und die unstillbare Gier nach Kurven – so sehr einen dieses Auto an eine italienische Küstenstraße, auf die Targa Florio in Sizilien oder in die Toskana lockt, gibt es mit dem Fernweh in diesem Fiat ein klitzekleines Problem. Der Kofferraum ist so winzig, dass viel mehr als ein Ausflug zum Badesee kaum drin ist.