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24h-Rennen Nürburgring: Die Krönungsmesse der Vollgasfraktion

Published in Chromjuwelen En Route

Der welt-brutalste Marathon-Ritt durch die Grüne Hölle hieß 2012 offiziell „40. ADAC Zurich 24h-Rennen Nürburgring“ und fand vom 17. bis 20. Mai statt. Über 170 Tourenwagen gingen auf der Nürburgring-Nordschleife beim längsten und härtesten Autorennen des Jahres an den Start. Dies ist kein PR-schwangerer Superlativ – sondern schlicht die anerkannt motorsportliche Wahrheit.

24H-Rennen Nürburgring 2012

Der welt-brutalste Marathon-Ritt durch die Grüne Hölle hieß 2012 offiziell „40. ADAC Zurich 24h-Rennen Nürburgring“ und fand vom 17. bis 20. Mai statt. Über 170 Tourenwagen gingen auf der Nürburgring-Nordschleife beim längsten und härtesten Autorennen des Jahres an den Start. Dies ist kein PR-schwangerer Superlativ – sondern schlicht die anerkannt motorsportliche Wahrheit.

Deutsche, britische, amerikanische und japanische Hersteller gaben wieder alles, um aufs Podium zu kommen: Porsche, Audi, Mercedes, BMW, Aston Martin, Corvette, Ford, Toyota & Co. – ein Sieg auf der Nordschleife bedeutet immerhin höchstes Prestige. Viele Marken traten dabei offiziell lieber gar nicht erst an und unterstützen doch die zahlreichen, ehrgeizigen Privat-Teams – um im Erfolgsfall den Glanz zu teilen.

Wir sind mitten drin. Und erleben erneut live, was es heißt, 24 Stunden Amok zu laufen. Wir treffen unter anderem das Top 40-Team von Falken Motorsports, das zum zweiten Mal mit einem hochgezüchteten Porsche 911 an den Start geht. Die vorherrschende Sorge: 2012 das Desaster eines Motor-/Getriebewechsels nicht zu wiederholen. Doch im Qualifying wird der gummierte 24h-Sponsor von Platz 10 auf Platz 40 strafversetzt – wegen einer dusseligen Verletzung der Zeitregel. Dies erfahren wir während der spektakulären Falken-Driftshow, die wir aus nächster Nähe inhalieren dürfen. Der schnelle Zuffenhausener hält sich im Rennen dann um Platz 15 herum, bis das Auto später, mitten in der Nacht, bei plötzlich einsetzendem Platzregen in die Leitplanke rauscht. Aus für die Jungs in blau-türkis, sehr schade, aber eine typische Geschichte bei den 24 Stunden mit ihren zig Ausfällen.

24H-Rennen Nürburgring 2012 24H-Rennen Nürburgring 2012

Titus – Karitative Schlangenbeschwörung

Wir wollen jetzt aber nicht mit einem Standard-Rennbericht der Top 40-Teams langweilen, denn am spannendsten sind aus unserer Sicht sowieso die Underdogs. So wie der Skateboard-Guru Titus Dittmann aus Münster, der mit seiner vergleichsweise alten Biogas-Dodge-Viper an den Start geht. Im Zuge seiner neuen Leidenschaft, der Stiftung Skate-Aid, findet Titus jede Menge Unterstützer – ehrenamtliche Helfer und diverse Sponsoren sorgen also für den – Titus-O-Ton – Null-Euro-Renneinsatz. Die Viper wurde vor einigen Jahren auf Basis einer Serien-Schlange mit Teilen zweier ausrangierter Viper-Renn-Taxis aufgebaut – jeweils mit ganz schmalem Budget. Trotzdem schaffte das bunte Team eine gute Startposition im Mittelfeld der zweiten von drei Startergruppen – dank Markus, dem erfahrensten Rennfahrer im Team.

Nach 30 Minuten kommt der Grüngas-V8 jedoch mit Überhitzungsproblemen in die Box – ein komplett mit Titus/Skate-Aid durch gebrandeter, behelfsmäßiger Unterstand – mitten im Fahrerlager. Titus gibt den Hinweis, die Luftzufuhr vor dem Kühler besser zu bündeln. So werden kurzerhand Luftleit-Teile aus Karton gebastelt und seitlich hinter die Frontschürze gegaffert. Und? Kühlt tatsächlich besser. Und rennt wie blöd. Bald danach kommt Julius Dittmann, Titus Sohn, mit einer Servo-Öl Leckage wieder zurück unters Zeltdach. Es wird erfolgreich an Abdichtungen im Umfeld der Servo-Pumpe geackert, natürlich in T-Shirts mit bunten Armen und Kette an der Hose.

Danach rennt die grüne Lady wunderbar auf dem letzten Platz, bis in der Nacht ein Kopfdichtungsschaden zur Dauerpause zwingt. Als wir Titus morgens neben seinem abgestellten Renngerät treffen, sagt er lachend: „25.000 Runden und in Führung liegend“. Zur letzten Runde fährt er für seine Fans nochmal raus, da er für alle sichtbar auf der Strecke ankommen will. Hier geht es offensichtlich so ganz und gar nicht um Platzierungen, sondern darum, erneut als „Sieger der Herzen“ die karierte Flagge zu sehen.

24H-Rennen Nürburgring 2012 24H-Rennen Nürburgring 2012

2013 kommt bestimmt

Ach so – gewonnen hat übrigens der Phoenix Audi R8 LMS Ultra mit nur dreieinhalb Minuten Vorsprung auf den zweitplatzierten Markenkollegen von Mamerow Racing. Dritter wurde einer der Mercedes-Benz SLS AMG GT3 des Hankook-Teams Heico.

Obwohl uns das 3 Stunden Classic Race etwas näher lag als die Materialschlacht der aktuellen Marken-Fahrzeuge, war das 24h-Rennen eine riesen Sause in der magischen Eifel-Kulisse. Nächstes Jahr sind wir wieder dabei, diesmal auf Camping-Basis, direkt am Ring oder sogar auf dem Ring?

-> Fotogalerie: 24h-Rennen Nürburgring 2012

 

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