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Lamborghini Miura – 4521/4868

Published in radical-mag.com

Heikles Thema

Das mit den Zahlen bei den Lamborghini Miura ist auch so ein Thema. Lange, lange ging man davon aus, dass die Aufteilung so war: 474 Exemplare vom P400, 140 Stück vom P400S und nochmals 150 dann vom P400SV. Das wären dann insgesamt 764 Exemplare. 2005 veröffentlichte Lamborghini, also: das Werk, eine neue Liste: 275 P400, 338 P400S, 150 P400SV, also insgesamt noch 763. Die beiden wichtigsten Bücher, Lamborghini Miura von Peter Coltrin sowie «The Miura Bible» von Joe Sackey, kommen auf 762 Exemplare – dies unter anderem deshalb, weil sich beide auf eine Liste verlassen, die von Ingrid Pusich erstellt wurde. Pusich war die gute Fee in Sant’Agata, rechte und linke Hand von Ferruccio Lamborghini und Assistentin von Verkaufsdirektor Ubaldo Sgarzi und Übersetzerin und überhaupt. Diese Liste, eigentlich für den internen Gebrauch bestimmt, fand über einen amerikanischen SV-Käufer den Weg an die Öffentlichkeit; an ihrer Echtheit sowie der Kompetenz von Pusich gibt es keine Zweifel. Eines der Probleme: es gibt keine Angaben dazu, ob P400, P400S oder P400SV. Und: anscheinend wurden noch im Werk einzelne Fahrzeuge neu nummeriert. Dafür gibt es allerdings keine sauberen Angaben – vielleicht könnte das Polo Storico da Klärung schaffen?

Denn es dürfte schon ein wenig Spengstoff in der Geschichte stecken. Wie zum Beispiel bei diesem Miura mit der Chassisnummer 4868, der das Werk am 6.4.1971 als P400SV verlassen haben soll, an Lambocar geliefert wurde, dort von einem Signore Spinelli gekauft und später von einem Franzosen übernommen wurde. Diesem Franzosen soll der Wagen auf einer Reise durch Italien gestohlen worden sein – um Jahre später wieder entdeckt zu werden. Erstaunlicherweise trug der Wagen aber unterdessen die Chassisnummer 4521. Und verfügte auch über den korrekten Motor von 4521, also: 30495. In 4868 war 30619 eingebaut gewesen. Eine erstaunliche Wandlung.

Es kursieren nun verschiedene Listen von «solchen Umbauten». Einige dieser Veränderungen wurden schon von Coltrin wie auch Sackey erwähnt (und teilweise auch erklärt), andere sind ziemlich rätselhaft. Es ist hier eine Aufstellung jener Fahrzeuge gezeigt, die in der berühmten Pusich-Liste (mindestens) doppelt vorkommen:

20 (#3006/1091) = 531 (gleiche Chassis-Nummer, gleiche Motor-Nummer…)

38 (#3054/1187) = 710 (gleiche Chassis-Nummer, gleiche Motor-Nummer…)

43 (#3072/1220) = 272 (gleiche Chassis-Nummer, gleiche Motor-Nummer…)

88 (#3174/1406) = 165 (gleiche Chassis-Nummer, gleiche Motor-Nummer…)

126 (#3312/1639) = 479 (gleiche Chassis-Nummer, gleiche Motor-Nummer…)

157 (#3408/1787) = 480 (gleiche Chassis-Nummer, gleiche Motor-Nummer…) = 611 (gleiche Chassis-Nummer, gleiche Motor-Nummer…)

242 (#3673/2236) = 751 (gleiche Chassis-Nummer, gleiche Motor-Nummer…)

243 (#3676/2296) = 526 (gleiche Chassis-Nummer, gleiche Motor-Nummer…)

273 (#3766/2490) = 474 (gleiche Chassis-Nummer, gleiche Motor-Nummer…)

296 (#3829/2688) = 434 (gleiche Chassis-Nummer, gleiche Motor-Nummer…)

362 (#4042/30361) = 554 (gleiche Chassis-Nummer, gleiche Motor-Nummer…)

504 (#4527/30513) = 698 (gleiche Chassis-Nummer, gleiche Motor-Nummer…)

619 (#4806/30592) = 716 (gleiche Chassis-Nummer, gleiche Motor-Nummer…)

Man kann allein durch diese Dopplungen schon einmal 14 Exemplare von den 764/763/762 Stück abziehen. Bleiben also noch 750/749/748 Miura. Es ist nun auch nich weiter ein Problem – sofern diese Chassisnummern nicht doppelt auf den Markt kommen. Ausserdem: Es gibt in verschiedenen Quellen nun noch einige andere Fahrzeuge, die «vielleicht» nicht mehr das sind, was sie «vielleicht» einmal waren.

127 (#3297/1681) = 254 (#3901/2727 – dies gilt als sicher, wurde vom Besitzer recherchiert)

266 (#4856/30780) = (soll der SV-Prototyp geworden sein)

308 (#3850/2724) = 514 (#3850/30516)

390 (#4139/30387) = 392 (#4136/30395)

494 (#4521/30495) = 620 (#4868/30619, siehe oben)

523 (#4587/30525) = 545 (#4617/30553)

667 (#4956/30667) = 754 (#5092/30667. Vielleicht auch: 30767)

So, jetzt müssen wir ja aber auch noch die beiden Fahrzeuge «beschreiben»:

494) Chassis-Nummer: 4521.

Motoren-Nummer: 30495

Auslieferungsdatum: 27.03.1970 (Ferretti)

Farbe: Champagne Acril.

Interieur: Skay Nero

Und dann noch die zweite Identität:

620) Chassis-Nummer: 4868.

Motoren-Nummer: 30619

Auslieferungsdatum: 06.04.1971 (Lamborcar)

Farbe: Rosso Corsa

Interieur: Nero

Jetzt ist die Verwirrung noch grösser – wohl auch eine ewige Geschichte. Wer Infos hat, auch Bilder, bitte gern an: ruch@pruductions.ch. Unsere Sammlung der Miura gibt es: hier.

Der Beitrag Lamborghini Miura – 4521/4868 erschien zuerst auf radicalmag.